• Ich habe noch nie ein Foto gemacht, wie ich es beabsichtigt hatte. Sie sind immer schlechter oder besser.

    – Diane Arbus –

    GET YOUR KICKS ON ROUTE 66!


    Einmal den Sonnenuntergang am Grand Canyon erleben, die legendäre Route 66 abfahren und in die Lichterwelt von Las Vegas eintauchen, von diesen Träumen handeln die folgenden Zeilen.


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    If you’re going to San Francisco


    Dort wo in den 1960er Jahren die Hippiebewegung ihren Anfang nahm, sollte auch meine Reise starten: San Francisco. Heimat der wohl berühmtesten Brücke der Welt, sonnenbadenden Seelöwen und einer Strassenbahn, für welche Touristen zuweilen auch schon mal bereit sind mehr als drei Stunden anzustehen. Auch die Hippiebewegung hat ihre Spuren hinterlassen oder hinterlässt diese noch immer. Farbige, mit Blumen verzierte Häuser, Regenbogenfahnen und Shops für den modernen Hippie von heute lassen die damalige Zeit weiterleben.

    Geprägt von diesen Eindrücken verlasse ich San Francisco und reise entlang des Highway 1 durch Kalifornien weiter nach Oregon. Bereits nach kurzer Zeit ist von der Grossstadt nichts mehr zu spüren. Die sich dicht aneinanderdrängenden Häuser verschwinden und machen Platz für typisch amerikanische Farmen, eben genau so, wie man sich die USA vorstellt. Dieser Abschnitt hat aber weit mehr zu bieten als nur endlose Maisfelder. Im Norden Kaliforniens erheben sich die Mammutbäume des Redwood Nationalparks majestätisch in die Höhe und die Oregon Coast wartet mit steil abfallenden Klippen und zugleich idyllisch gelegenen Sandstränden auf. Verlässt man die Küste, trifft man schon nach kurzer Zeit auf schneebedeckte Berge und idyllisch gelegene Seen. Zusammen der perfekte Ort, für einen grandiosen Sonnenaufgang...

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    Die kanadische Grenze rückt in greifbare Nähe. Nur noch der Staat Washington trennt mich vom Land mit dem Ahornblatt und noch einmal zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite. Hier, im äussersten Zipfel der USA, befindet sich der Olympic Nationalpark. Sieht man von Hawaii einmal ab, der regenreichste Punkt der USA. Dem vielen Niederschlag ist es zu verdanken, dass hier heute ein Regenwald zu bestaunen ist, welcher jenem aus Herr der Ringe in nichts nachsteht.

    Biber. Elche. Kanada.


    Nun heisst es (zumindest vorläufig) Abschied von den USA zu nehmen. Die Fähre wartet und bringt mich in die Hauptstadt British Columbias, Victoria. Schon bei der Einfahrt fällt der Blick auf das beeindruckende Empress Hotel und das Parlamentsgebäude. Wenn dann aber zu später Stunde die vielen Lichter den Hafen erhellen, wird dieser Ort zu einem beeindruckenden Postkartenmotiv. Ich habe nur kurz Zeit, die Vielfalt dieser Stadt zu entdecken, denn bereits nach wenigen Tagen wartet die Fähre erneut, welche mich dieses Mal in knapp zwei Stunden in die nächste grossartige Stadt bringt: Vancouver. Schon von Weitem lassen sich die weissen Hochhäuser der Skyline erkennen, und je näher man dem Stadtzentrum kommt, desto mehr bewahrheitet sich auch, dass Vancouver tatsächlich so grün ist, wie der Stadt überall nachgesagt wird. Sei es der beeindruckende Stanley Park (mit perfektem Blick auf die Skyline) oder die vielen kleinen Parks mitten in der Stadt, Vancouver begeistert. Um dem Trubel der Grossstadt vollends zu entfliehen, bietet sich im Anschluss der Granville Island Public Market an. Nach einer kurzen und gemütlichen Fahrt mit dem Wassertaxi findet man sich in Mitten von Beeren, Käse, Fisch und Souvenirs wieder. Ein absolut einmaliges Erlebnis.

    Das Gepäck voll mit Eindrücken aus diesen beiden grossartigen Städten, geht es nun wieder zurück in die Natur. Meine Route bringt mich nordwärts, immer weiter in die Berge hinein, bis sie schlussendlich majestätisch direkt vor mir auftauchen: Die Rocky Mountains. Wer glaubt, in der Schweiz bereits alles gesehen zu haben, was das Thema Berge hergibt, wird hier ganz schnell eines Besseren belehrt. Schier endlos erscheinende Tannenwälder, tiefblaue Gletscherseen und mittendrin die beeindruckenden Bergspitzen des Jasper Nationalpark, bilden eine beeindruckende Kulisse. Es ist diese Weite, zusammen mit den imposanten Bergen, welche die Landschaft so von der Schweiz unterscheidet.

    Der Jasper Nationalpark sollte nicht der einzige Höhepunkt auf meinem Abstecher in die Rocky Mountains bleiben, denn das Tagesziel der nächsten Etappe lautete Lake Louise im Banff Nationalpark. Jener Ort, welcher neben den Alpinen Skirennen auch für das Postkartenmotiv eben jenes Sees bekannt ist. Der Weg dorthin beträgt für kanadische Verhältnisse mickrige 230 Kilometer, trotzdem verschlingt die Reise praktisch einen ganzen Tag. Der Grund ist simpel: Es handelt sich um die 230 Kilometer des Icefields Parkway, einer der schönsten Strassen der Welt. Hinter jeder Kurve wartet eine noch beeindruckendere Aussicht und somit ein Motiv, welches man sich auf keinen Fall entgehen lassen möchte. Lake Louise selber bietet sich an für Touren zu einigen der schönsten Ziele in den gesamten Rocky Mountains, wie dem Peyto oder Moraine Lake, um nur zwei Beispiele zu nennen.

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    Yellow


    Wieder einmal heisst es Abschied nehmen, dieses Mal von Kanada. Meine Reise führt mich zurück in die USA. Das Ziel lautet Yellowstone, seines Zeichens ältester Nationalpark der USA. Noch einmal führt mich meine Route vorbei an imposanten Bergen, oder mitten hindurch wie im Glacier Nationalpark über die Going-to-the-Sun Road. Die Strasse macht ihrem Namen alle Ehre. Links ein Wasserfall, welcher praktischerweise gleich noch den Gegenverkehr vom Schmutz befreit, und rechts eine senkrechte Felswand ins Nirgendwo. Gegen 200 Meter hoch dürfte sie wohl sein. Das Ganze Spektakel dauert rund 35 Kilometer lang. Für amerikanische Verhältnisse also noch nicht einmal ein Katzensprung. Die fantastische Aussicht zollt aber ihren Tribut und so erreiche ich das andere Ende der Strasse nach gut 3 Stunden...

    Die Rocky Mountains habe ich nun endgültig hinter mir gelassen, die Berge sind Farmen gewichen und die Strassen schnurgerade. Eben wieder einmal genau so, wie man sich die USA vorstellt. Nach einiger Zeit wird die Natur wieder wilder und plötzlich taucht der Eingang zu einem der wohl berühmtesten Nationalparks der Welt auf und gleichzeitig verkündet das Holzschild neben der Strasse: *Welcome to Yellowstone Nationalpark“. Zu entdecken gibt es viel. Sei es der farbenfrohe Grand Prismatic Spring, der Grand Canyon of Yellowstone mit dem beeindruckenden Wasserfall, Bisonherden oder die Strukturen vergangener Waldbrände, es ist diese Vielfältigkeit, welche den Yellowstone Nationalpark zu Recht so berühmt gemacht hat.

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    Die Rocky Mountains habe ich nun endgültig hinter mir gelassen, die Berge sind Farmen gewichen und die Strassen schnurgerade. Eben wieder einmal genau so, wie man sich die USA vorstellt. Nach einiger Zeit wird die Natur wieder wilder und plötzlich taucht der Eingang zu einem der wohl berühmtesten Nationalparks der Welt auf und gleichzeitig verkündet das Holzschild neben der Strasse: *Welcome to Yellowstone Nationalpark“. Zu entdecken gibt es viel. Sei es der farbenfrohe Grand Prismatic Spring, der Grand Canyon of Yellowstone mit dem beeindruckenden Wasserfall, Bisonherden oder die Strukturen vergangener Waldbrände, es ist diese Vielfältigkeit, welche den Yellowstone Nationalpark zu Recht so berühmt gemacht hat.
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    Hoodoos


    Nachdem ich auch noch erfolgreich Ausschau nach Bären, Elchen und dem Seeadler gehalten habe, geht es weiter. Auf dem Programm steht mit dem Bryce Canyon der nächste Nationalpark, welcher auf keiner USA-Reise fehlen darf. Wieder Einmal zeigt sich die Gegensätzlichkeit der Landschaft. Soeben noch grün und mit dichtem Wald bewachsen, präsentiert sich die Landschaft nun sandig und beinahe schon karg. Was die Natur in dieser Umgebung jedoch geschaffen hat, lässt sich kaum beschreiben. Kilometerweit erstrecken sich die Felspyramiden im Felskessel des Bryce Canyon. Je nach Licht verändern sich die sogenannten Hoodoos von dunkelrot glühend in ein leuchtendes gold, und immer wieder erkennt man neue, interessante Formen.

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    Steinbögen


    Bereits geht es weiter in Richtung der nächsten Gesteinsformationen, welche dieses Mal die Form von Bögen angenommen haben. Die Rede ist von den Steinbögen des Arches und Canyonlands Nationalparks. Einmal den Sonnenuntergang am Delicate Arch zu erleben gehört beim Besuch schon beinahe zu den Pflichtaufgaben. Zu meinem Verhängnis sahen dies aber mindestens noch 200 weitere Personen als Pflichtaufgabe an. Eine gelungene Aufnahme ohne unter dem Bogen posierenden Touristen stellte sich als Herkulesaufgabe heraus. Die Lösung des Problems kommt aus Spanien. Dank Filtern von LucrOit und einer Belichtungszeit von fast 10 Minuten wird auch der grösste Tummelplatz von Touristen Menschenleer und dies ganz ohne Photoshop.

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    Zu meinem Glück (...) war die nächste Pflichtaufgabe, der Sonnenaufgang am Mesa Arch, mit einer Abfahrt um halb 4 Uhr verbunden und der Ansturm deshalb deutlich geringer. Gelohnt hat sich das frühe Aufstehen definitiv. Den Höhepunkt des Farbenspuels wird übrigens erst etwa eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang erreicht, dann wenn die meisten anderen Besucher bereits wieder verschwunden sind.
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    Farbenpracht


    Meine nächste Etappe führt mich in das Gebiet der Navajo Indianer. Erstes Ziel, und wie sich herausstellen sollte ein absolutes Highlight meiner fünfwöchigen Reise, ist das Monument Valley. Steht man erst einmal am Rande des Tales, gibt es für die Aussicht nur noch ein Wort: Spektakulär. Inmitten einer farbigen Wüstenlandschaft erheben sich die Spitzkoppen majestätisch in die Höhe. Von Minute zu Minute ändert sich die Stimmung, und sobald die Sonne langsam hinter dem Horizont untergegangen ist, leuchtet das Tal und der Himmel in sämtlichen Farben. Wieder einmal zeigt sich, dass eine Wüstenlandschaft, obwohl vermeintlich leblos, Schauplatz der fantastischsten Stimmungen werden kann.

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    Regenbogen


    Es gibt einen Ort, an welchem die Wörter Farbe und Lichtstimmung noch einmal eine ganz neue Bedeutung bekommen. Die Rede ist vom Antelope Canyon, oder besser gesagt dem Lower und dem Upper Antelope Canyon. Der Lower Antelope Canyon ist der kleine Bruder des Upper Antelope Canyon, dadurch aber keineswegs weniger imposant. Begeistert Ersterer mit fantastischen Strukturen und Farben, ist es in Letzterem ein ganz anderes Phänomen, welches einen Besuch unabdingbar macht.

    Beim ersten Hinsehen erkennt man vom Lower Antelope Canyon nicht viel mehr als einen Spalt im Boden, im Inneren jedoch erwarten einem die schönsten und abstraktesten Formen. Der Weg dorthin gestaltet sich als nicht ganz einfach und führt über steile Leitern und durch enge Gänge. Der Aufwand wird allerdings durch das Erlebnis mehr als wieder gut gemacht. Einmal mit sanft verlaufenden Linien und einige Meter darauf mit Ecken und Kanten, verändert der Fels stets seine Form. Das Gleiche gilt für die Farben. Am Morgen tiefe Blau- und Violett-Töne, sind es am Nachmittag leuchtendes rot und orange.

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    Angel


    Sie sind das, was in keiner Aufnahmereihe des Antelope Canyons fehlen darf. Die Light Beams des Upper Antelope Canyon. Im Gegensatz zum Lower Antelope Canyon ist hier jedoch keine Kletterarbeit notwendig, um an gute Sujets zu gelangen. Es gilt lediglich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Jeweils zur Mittagszeit ist die Sonne genug stark und steht in der richtigen Position, um genau durch die schmalen Öffnungen an der Decke des Canyons zu scheinen. Was daraus entstehen kann, zeigen die folgenden Aufnahmen. Schon das Licht alleine sorgt für einen atemberaubenden Effekt. Zusätzlich verstärkt wird dieser durch etwas Sand in der Luft. Mit etwas Fantasie lassen sich so sogar Engel im Antelope Canyon erkennen.
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    You can’t miss the abyss


    Dass der Grand Canyon ein Highlight meiner Reise werden wird habe ich geahnt, mit dem was mich tatsächlich erwartete, habe ich aber nicht gerechnet. Aber von vorne: Die Anreise vom Antelope Canyon gestaltet sich unspektakulär. Hie und da ein paar kleinere und grössere Felsen mitten in der Einöde, ansonsten nur ich und der Highway. Nach einiger Zeit jedoch steigt die Strasse langsam aber stetig an. Es ist das erste Anzeichen, dass der Grand Canyon näherkommt, liegt der Canyonrand doch auf über 2000 Meter über Meer. Auch die Vegetation verändert sich und als ich den Eingang zum Nationalpark erreiche, hat sich um mich herum bereits wieder ein ansehnlicher Wald gebildet. Noch einmal sind es einige Kilometer, bis der Grand Canyon endgültig erreicht ist. Es ist jener Zeitpunkt, an welchem mir bewusst wird, woher der Spruch „You can't miss the abyss“, den Abgrund kannst du nicht verfehlen, stammt. Egal ob man nach links oder nach rechts schaut, eine Ende des Canyons ist nicht auszumachen. Über die Tiefe klärt eine Informationstafel auf: Rund 1.6 Km sollen es sein. Jetzt bin ich definitiv überwältigt. Der Anblick wird nur noch von einem perfekten Sonnenaufgang am selben Abend übertroffen. Die Zeit habe ich mittlerweile ganz vergessen, die Aussicht ist einfach zu fantastisch.

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    Welcome to fabulous Las Vegas


    Ich erreiche Las Vegas am späten Nachmittag. Obwohl ich vorbei an einer Burg, dem Eiffelturm oder der Skyline von New York fahre, erscheint die Stadt auf den ersten Blick ziemlich unspektakulär. Sobald die Sonne jedoch hinter dem Horizont untergegangen ist, verändert sich das Gesicht von Las Vegas schlagartig. Sei es der berühmte Springbrunnen vor dem Bellagio, dessen Fontänen zum Takt der Musik in die Höhe schnellen oder eines der aufregenden Casinos, Las Vegas hält was es verspricht.

    Nach wenigen Tagen geht meine Reise weiter. Schon nach kurzer Zeit verschwindet Las Vegas im Rückspiegel und die Wüstenlandschaft übernimmt wieder die Oberhand. Die Temperatur wird von Minute zu Minute höher. Dann, als ich gerade das Badwater Basin erreiche, zeigt das Thermometer 47 Grad an. Es ist Nachmittag im Death Valley.

    Ich freue mich auf kühlere Temperaturen und die Granitfelsen des Yosemite Nationalpark. Schon von weitem lassen sich die ersten Berge der Sierra Nevada erkennen und je näher ich dem Nationalpark komme, desto gebirgiger und grüner wird die Landschaft. Nach einer letzten Passüberquerung befinde ich mich in einer Berglandschaft, wie sie schöner nicht sein könnte. Imposante Felsformationen, endlose Wälder und tiefblaue Seen bilden eine einzigartige Kulisse. Noch einmal geniesse ich eine spektakuläre Aussicht auf den Half Dome, El Capitan und erlebe einen fantastischen Sonnenuntergang am Glacier Point.

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    Der letzte Teil meiner Reise bringt mich über eine den Highway 1 wieder zurück nach San Francisco. Ein letztes Mal geniesse ich das Leben in dieser pulsierenden Stadt und muss eingestehen, dass San Francisco anders ist als der Rest der USA, oder wie ein älterer Herr aus Alabama es ausdrückte: „The carziest town in the whole USA.“
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